Duale Bildungskarrieren im Nachwuchsleistungssport

Junge Talente im Nachwuchsleistungssport stehen vor der großen Herausforderung, die hohen Anforderungen des Leistungssports mit den Ansprüchen einer schulischen Ausbildung in Einklang zu bringen. Enorme Trainingsumfänge sowie eine hohe Wettkampfdichte, in der Regel mit nationalen und internationalen sportlichen Vergleichen, müssen mit den Aufgaben und Verpflichtungen im schulischen Kontext abgestimmt werden (Pallesen, Schierz, 2010). Nicht selten reichen die Ressourcen der Jugendlichen zur Bewältigung dieser Belastungen nicht aus, was zum Abbruch der leistungssportlichen Karriere führen kann.

Der Forschungsstand zu diesem Themengebiet ist als ernüchternd einzustufen. Duale Bildungskarrieren werden in wissenschaftlichen Diskussionen nur selten thematisiert, Bezüge zum Leistungssport werden lediglich anhand einzelner Aspekte hergestellt (z.B. Zeitaufwendungen von Spitzensportlern in Leistungssport- und Bildungs-/Berufskarriere, Hoffmann et al., 2010). Daher muss konstatiert werden, dass eine systematische Auseinandersetzung fehlt. Aus der sozialwissenschaftlich orientierten Jugendforschung lassen sich zwar allgemeine Erkenntnisse (z.B. Peers als Unterstützungsnetzwerk) transferieren (z.B. Krüger, 2008, 2010, 2012), eine umfassende Übertragung erscheint aufgrund der unterschiedlichen Altersgruppe sowie vor allem des spezifischen Settings als ungeeignet.

Die bisherigen Ausführungen richten den Blick auf die Passungsverhältnisse von Schule und Spitzensport sowie die subjektiven Bildungsorientierungen und -verläufen der Heranwachsenden. Inwiefern lassen sich diese zwei unterschiedlichen Organisationskulturen strukturell koppeln, insbesondere vor dem Hintergrund völlig unterschiedlicher Wert- und Orientierungsmuster (Pallesen & Schierz, 2010). Für das Gelingen einer dualen Karriere wird häufig auf eine systematische Zusammenarbeit beider Institutionen verwiesen, beispielsweise in Form von Verbundsystemen aus Schule und Leistungssport (z.B. Sportbetonte Schule, Eliteschule des Sports). Mithilfe solcher Spezialschulen soll die Vereinbarkeit sportlicher Spitzenleistungen und schulischer Bildung gefördert werden (vgl. DOSB, 2015).

Hinsichtlich der Bildungsorientierungen der Jugendlichen ist ein breites Spektrum festzustellen. Krüger und Keßler (2016) konnten im Rahmen ihrer qualitativen Studie „unterschiedliche biografische Akzentuierungen“ (S. 92) feststellen, die von einem umfassenden Bildungsinteresse bis hin zur gymnasialen Abschlussnotwendigkeit reichen. Gemein ist allen Jugendlichen, dass sie einen Plan B zu ihren leistungssportlichen Zielen entwickelt haben.

Literaturverzeichnis

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) (2015). Eliteschulen des Sports. https://eliteschulen.dosb.de/. Zugegriffen: 24.08.2018

Hoffmann, K., Sallen, J., Albert, K. & Richartz, A. (2010). Zeitaufwendungen von Spitzensportlern in Leistungssport- und Bildungs-/Berufskarriere: Eine empirische Studie zum Zusammenhang mit chronischem Belastungserleben. Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge (51), 75-93.

Krüger, H.-H., Köhler, S.-M., Zschach, M., & Pfaff, N. (2008). Kinder und ihre Peers. Freundschaftsbeziehungen und schulische Bildungsbiographien. Opladen: Barbara Budrich.

Krüger, H.-H., Köhler, S.-M., & Zschach, M. (2010). Teenies und ihre Peers. Freundschaftsgruppen, Bildungsverläufe und soziale Ungleichheit. Opladen: Barbara Budrich.

Krüger, H.-H., Deinert, A., & Zschach, M. (2012). Jugendliche und ihre Peers. Freundschaftsbeziehungen und Bildungsbiographien in einer Längsschnittperspektive. Opladen, Berlin, Toronto: Barbara Budrich.

Krüger, H.-H. & Keßler, C. (2016). Bildungskarrieren von Jugendlichen im sportlichen und kulturellen Bereich. In H.-H. Krüger, C. Keßler & D. Winter, Bildungskarrieren von Jugendlichen und ihre Peers an exklusiven Schulen (S. 79-95). Wiesbaden: Springer VS.

Pallesen, H. & Schierz, M. (2010). Talent und Bildungsgang. Rekonstruktionen zur Schulkultur in Verbundsystemen Schule und Leistungssport. Opladen & Toronto: Barbara Budrich.

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