Sozialbeziehungen von Jugendlichen

Die Beobachtung von Kindern und Jugendlichen im außerschulischen Kontext führt zu dem Eindruck, dass sich Heranwachsende im Vergleich zu Erwachsenen verstärkt zu Gruppen zusammenschließen und in diesen auftreten. Verschiedene Jugendstudien (JIM-Studie, 2016; DJI-Jugendverbandserhebung, 2009) bestätigen die Attraktivität jugendlicher Gruppen und deuten die sozialisatorischen Potenziale der Sportvereine an. Gleichzeitig dürfen sie aber nicht über ein gravierendes Forschungsdesiderat hinwegtäuschen: die Untersuchung der wahrgenommenen Beziehungsqualität. Dem Sportverein als Nummer eins der institu­tionalisierten jugendlichen Freizeitaktivitäten wird nachgesagt, er begünstige die Ent­wicklung sozialer Kompetenzen von Heranwachsenden und die Anbahnung freund­schaftlicher Beziehungen (Fussan, 2006). Diese Annahme ist vermutlich nicht allein auf das thematische Angebot zurückzuführen, sondern vor allem auf den besonderen Umgang in sportiven Jugendgruppen. Sportvereine bilden zentrale Handlungskontexte im Kindes- und Jugendalter, in denen die Heranwachsenden verschiedene Kompetenzen erwerben können. Aufgrund der facettenreichen Interaktionen mit unterschiedlichen Personen(gruppen) wird der Entwicklung der sozialen Kompetenzen eine große Bedeutung beigemessen. Die Sportaktivitäten finden in der Regel zusam­men mit anderen Jugendlichen statt, die in einem ähnlichen Alter sind und häufig auch über ein vergleichbares Leistungsniveau verfügen. Gleichzeitig ist über die Beziehungspraxis der Jugendlichen kaum etwas bekannt. Fragen nach der inhaltlichen Ausgestaltung sozialer Beziehungen sowie vor allem deren Wahrnehmung innerhalb der Jugendgruppe können bisher nur unzureichend beantwortet werden.

Die vorliegende Arbeit soll daher einen Beitrag zur Diskussion um die Qualität sozialer Beziehungen von Jugendlichen im sportiven Kontext leisten. Im Fokus steht hier die wahrgenommene Beziehungsqualität, d.h. wie nehmen die Jugendlichen die Beziehungen innerhalb ihrer Gruppe wahr. Darauf aufbauend soll empirisch überprüft werden, ob sportive Settings besondere Ausprägungen sozialer Beziehungen aufweisen. Als Referenzgruppen werden neben dem Sportverein zwei weitere bedeutsame non-formale Settings ausgewählt: die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die Kirche. Aufgrund vergleichbarer Strukturen und einem ähnlichen Formalisierungsgrad können die drei Settings miteinander verglichen werden. Auf inhaltlicher Ebene verspricht diese Auswahl fruchtbare Ergebnisse, da der Sportverein und die Kirche thematisch völlig verschieden ausgerichtet sind. Bei Betrachtung der Programme und deren Ausgestaltung werden erste Unterschiede deutlich. Im Sport dominiert der Code von Sieg und Niederlage, d.h. der Wettkampf am Wochenende bildet in der Regel den Zielhorizont des kontinuierlichen Trainings, indem die Verbesserung der eigenen Leistung im Mittelpunkt steht. Im kirchlichen Kontext wird versucht, den Jugendlichen mehr Raum zur individuellen Entfaltung zu geben und vielfältige Partizipationsmöglichkeiten anzubieten. Die unterschiedlichen Schwerpunkte sowie die daraus resultierenden Ziele können als Indiz für eine stärkere Ergebnis- bzw. Prozessorientierung verstanden werden.

Literaturverzeichnis

Fussan, N. (2006). Qualität der Peerbeziehungen von Jugendlichen: Sportvereinsmitglieder und Nicht-Mitglieder im Vergleich. Sport und Gesellschaft, 3 (3), 262-282.

JIM-Studie Jugend, Information, (Multi-) Media. JIM-Studie 2016. Zugriff am 14. Juni 2017 unter https://www.mpfs.de/studien/jim-studie/2016/

Seckinger, M., Pluto, L., Peucker, C. & Gadow, T. (2009). DJI-Jugendverbandserhebung: Befunde zu Strukturmerkmalen und Herausforderungen. Zugriff am 12. Januar 2018 unter https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/64_11664_Jugendverbandserhebung2009.pdf

Die vollständige Dissertation finden Sie hier:

URL: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/25927

DOI: https://doi.org/10.11588/heidok.00025927

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