Gesundheitskompetenz im digitalen Wandel – Plädoyer für Bewegung, Spiel und Sport

In Deutschland verfügt mehr als die Hälfte der Bevölkerung über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz, d.h. jedem Zweiten fällt es schwer, gesundheitsbezogene Informationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und auf die eigene Lebenssituation anzuwenden. Die Förderung der Gesundheitskompetenz muss daher als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden, da sie alle Lebensbereiche berührt.

Da die Gesundheitskompetenz sowohl von den persönlichen Kompetenzen des Individuums als auch den Anforderungen der Lebensumwelt beeinflusst wird, ist ein relationales Verständnis wichtig. Neben der häufig angeführten Schnelllebigkeit unserer modernen Gesellschaft zeigen sich stets neue Entscheidungsmöglichkeiten, die zwangsläufig zu einer erhöhten Entscheidungsverantwortung für jeden Einzelnen führen.

Grundsätzlich können zwei Perspektiven auf das Konstrukt der Gesundheitskompetenz unterschieden werden:

  1. Fähigkeit des Individuums, Gesundheitsinformationen zu verstehen und situativ angemessen zu handeln, d.h. sich innerhalb des Gesundheitssystems zurechtzufinden.
  2. Eine weiter gefasste Perspektive, die den Aspekt der Gesundheitsförderung in den Blick nimmt und deutlich über das Verstehen und Anwenden von Gesundheitsinformationen hinausgeht.

Eine gute Gesundheitskompetenz ermöglicht, die eigene Lebensqualität zu erhalten bzw. stetig zu verbessern. Demzufolge ist Gesundheitskompetenz in der persönlichen Lebenswelt von großer Bedeutung und kann vor allem der persönlichen Verantwortlichkeit zugeschrieben werden. Aufgrund der enormen Wichtigkeit der Gesundheit über die gesamte Lebensspanne hinweg, sollte das Bildungssystem frühzeitig ansetzen und die Gesundheitsförderung von Beginn an im Lebenslauf verankern, um das Bewusstsein für den eigenen Körper und die Bewegung zu etablieren. Unabhängig von der spezifischen sportlichen Aktivität, dem Umfang und des jeweiligen Kontextes ist es entscheidend, vielfältige Körper- und Bewegungserfahrungen zu sammeln und das Zusammenspiel von Physis und Psyche zu erleben. Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper fördert die Handlungskompetenz und trägt zur Gesundheitsbildung bei.

Aus meiner Sicht lassen sich folgende drei Bereiche identifizieren, die das (Bildungs-)Potenzial von Bewegung, Spiel und Sport im Hinblick auf die Förderung der individuellen Gesundheitskompetenz skizzieren:

  1. Sport kann einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung einer allgemeinen körperlichen, psychischen und sozialen Leistungsfähigkeit leisten. Die Auswirkungen und Effekte auf die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit gehen häufig über den Sport hinaus und beeinflussen das psychosoziale Empfinden und die Lebensqualität.
  2. Sport leistet einen substanziellen Beitrag zur Bewältigung bzw. Vermeidung von Krankheiten. Eine adäquate Gestaltung von Sport- und Bewegungsangeboten kann zur Wiederherstellung, Erhaltung oder Verbesserung der organischen Funktionsfähigkeit beitragen – hierunter fallen sowohl präventive als auch rehabilitative Aspekte.
  3. Sport ermöglicht den Aufbau psychosozialer Gesundheitsressourcen. Dies umfasst die Fähigkeit zur Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen genauso wie die eigenverantwortliche Gestaltung der individuellen Gesundheit. Ausgehend von relevanten Alltagsthemen werden geeignete sportpraktische Inhalte entwickelt (z.B. Bewegungsverhalten, Haltung, Stress oder Ernährung).

Körpererfahrungen durch Bewegung, Spiel und Sport stärken nachhaltig die Gesundheitskompetenz. In Verbindung mit der Bereitschaft, eigenverantwortlich und intrinsisch motiviert die eigene Lebensqualität steigern zu wollen, steht dem Sporttreiben nichts im Wege. Damit Angebote und Maßnahmen zur gezielten Förderung der Gesundheitskompetenz entwickelt werden können, müssen die Bedürfnisse, Vorstellungen und Lebensweisen der jeweiligen Zielgruppe berücksichtigt werden.

Weiterführende Literatur

Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz – https://www.nap-gesundheitskompetenz.de/

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