Dreiklang der Sportentwicklung – Ein bewegtes Netzwerk für die Zukunft

Das magische Dreieck der Organisationsentwicklung beschreibt den Zusammenhang zwischen Struktur, Strategie und Kultur als wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Es ist ein gedankliches Hilfsmittel für die Gestaltung einer Organisation. Die drei Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig, d.h. sie können nicht losgelöst voneinander gesehen oder verändert werden. Änderungen müssen stets in Einklang gebracht – eine Passung herstellen.

  • Strategie: Vision, Leitbild, Unternehmensstrategie: Was wollen wir mit unserer Organisation?
  • Struktur: Aufbau- und Ablauforganisation: Wie setzen wir das in unserer Organisation um?
  • Kultur: Normen und Werte, Einstellungen, Mindset: Wer sind wir und wie gehen wir miteinander um?

Die Organisationsentwicklung im organisierten Sport ist geprägt durch verschiedene Einflüsse, die sich auf unterschiedlichen Ebenen zeigen. Politische und globale Entwicklungen sorgen für gesellschaftliche Veränderungen, die durch die Auswirkungen der Pandemie teilweise verstärkt werden. Der vielfach zitierte gesellschaftliche Wandel zeigt sich deutlich in einem veränderten Freizeit- und Sportverhalten. Flankierend kommen die Megatrends Gesundheitsförderung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit hinzu, die erheblichen Einfluss auf die Organisationsentwicklung im Sport haben.

Aus unserer Sicht ist es wichtig den Blick in die Zukunft zu richten und zu überlegen, wie ein Sportverein künftig aufgestellt und strukturiert sein muss, um attraktiv für Mitglieder zu sein. Auf organisationaler Ebene ist das eine Bewegung hin zu einer Netzwerkorganisation, die neue, vernetzte Arbeitsformen aufweist sowie projektbasierte Strukturen entwickelt. Es geht weniger um die starre Besetzung von Positionen als vielmehr um die Errichtung und Ausgestaltung von Rollen. In Verbindung mit einer Fokussierung der Prozessorientierung, d.h. einem Herantasten und Ausprobieren sowie regelmäßigen Feedbackschleifen wird die Zusammenarbeit vereinfacht. Der Sportverein muss stärker als dienstleistungsorientierte Solidargemeinschaft positioniert werden. Dieser Anspruch kann nur erfüllt werden, wenn Organisations-, Inhalts- und Personalentwicklung vorangetrieben werden. Vorhandene Strukturen müssen kritisch hinterfragt und überprüft werden, ansonsten ist das Engagement künftiger Generationen gefährdet. Diese Veränderungen lassen sich gut am Mindset festmachen. Hierunter versteht man die gewohnte Denkweise eines Menschen, welche dafür verantwortlich ist, wie dieser in bestimmten Situationen reagiert. Infolge meiner langjährigen und vielfältigen Erfahrungen in der Organisationsentwicklung innerhalb des Sports erachte ich folgende vier Punkte als besonders wichtig für die Förderung eines wachsenden Mindsets (growth mindset):

  • Entwickeln neuer Denkstrukturen – Hinterfragen Sie unsinnige Handlungen und Denkweisen
  • Reflektieren Sie (allein und mit anderen) – „Wir beginnen uns zu verändern, wenn wir beginnen zu reflektieren“ (Humberto Maturana, chilenischer Biologe und Philosoph)
  • Systemisches Menschen- und Organisationsbild – Menschen sind soziale und nur gemeinschaftlich überlebensfähige Wesen. Das System ändern, nicht die Menschen. → Schaffen neuer Kommunikationspraktiken, -prozesse und -strukturen.
  • Lösungsorientiertes Vorgehen, nicht problemorientiertes Vorgehen

Eine besondere Herausforderung sehe ich in den unterschiedlichen Geschwindigkeiten, mit denen Sportvereine und -verbände agieren. Immer häufiger sorgen die schnelle Wandlungsfähigkeit und die hohe Innovationsfähigkeit auf der einen Seite, sowie die bestehenden Strukturen und die langsame Entscheidungsfindung auf der anderen Seite für Differenzen und persönlichen Frust. Nicht selten sind die Ursachen in fehlenden personellen und finanziellen Ressourcen zu finden. Es mag für einige ernüchternd klingen, aber hier gibt es keine allgemeingültigen Lösungsansätze.

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass jede zukunftsfähige Veränderung im organisierten Sport menschen-getrieben ist. Demzufolge müssen wir uns verstärkt und ganzheitlich mit uns beschäftigen und überlegen, wie wir strukturelle Anpassungen im System Sport vornehmen. In einer komplexen und schnelllebigen Welt darf der Sport nicht länger linear gedacht werden. Der notwendige Kulturwandel erfordert persönliches Engagement und Kreativität.

Dr. Daniel Kraft | Franziska Faas

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