WissenSCHAFT

Bildung

Digitalisierung

Digitale Lehre zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Das erste digitale Semester der Hochschulgeschichte hat begonnen. Auf der Suche nach ersten Reaktionen der Studierenden zeigt sich ein ernüchterndes, für mich jedoch wenig überraschendes Bild. Vorlesungen werden aufgezeichnet und den Studierenden auf einer Online-Plattform zur Verfügung gestellt. Am Ende tauchen zwei bis drei Fragen zur Lernzielüberprüfung oder Reflexion auf und fertig ist eine Veranstaltungseinheit, die die Studierenden innerhalb einer Woche durcharbeiten dürfen. In der folgenden Woche schließt sich das nächste Thema an – ein asynchrones Lehrangebot, mit den Lehrenden als Wissensvermittlerinnen/-vermittlern innerhalb eines klassischen Frontalunterrichts, ohne jegliche Interaktion und Kollaboration seitens der Studierenden. Seminare, die sich in der bisherigen Präsenzlehre häufig durch abwechslungsreiche Lehr-Lernarrangements, eine Vielfalt an Methoden zur Aktivierung, Interaktion, Kommunikation und Diskussion ausgezeichnet haben, entwickeln sich zu trostlosen Kursen mit etappenweiser Weiterbildung durch individuelles Literaturstudium. Studierende bekommen über eine Online-Plattform Aufgaben, die sie eigenständig bearbeiten, hochladen und wofür sie anschließend Feedback erhalten. Wo bleibt hier der kritische Austausch, das Formulieren einer eigenen Meinung, die Entwicklung neuer Forschungsperspektiven oder der Transfer von Theorie- in Handlungswissen? Es wäre ein Leichtes, diese Auflistung weiterzuführen. Es liegt mir aber fern, Kritik zu äußern, ohne eigene Vorschläge zu formulieren. [...]

Eine der großen Herausforderungen bei der Gestaltung digitaler Lehr- und Lernprozesse liegt in der Berücksichtigung verschiedener Interaktionsformen der Lernenden. Es geht nicht um Video-Kontakte mittels Webcam und kleiner Vorstellungsrunde, sondern um die systematische, strukturierte und didaktisch sinnvolle Implementierung unterschiedlicher Interaktionsformen in die Planung eigener Unterrichtseinheiten.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Unterricht zu zergliedern sowie die einzelnen Unterrichtssequenzen zu kategorisieren. Ein besonderes Augenmerk sollte auf den drei Interaktionsformen der Lernenden liegen:

  • Interaktion der Lernenden mit dem Unterrichtsinhalt
  • Interaktion der Lernenden untereinander und
  • Interaktion der Lernenden mit dem Lehrenden.

Was bedeutet dies für die Verlaufsplanung des eigenen Unterrichts? Im Sinne einer didaktischen Grobstrukturierung eignen sich drei Phasen für eine erste Verlaufsplanung des eigenen Unterrichts: Einstieg, Erarbeitung und Ergebnissicherung. […]

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